Wie alles anfing

Wenn man Bücher liest, die Musik-Stars über sich schreiben, bekommt man immer den Eindruck, als seien sie bereits als Topstars auf die Welt gekommen mit all Ihrem Erfolg späterer Jahre.
Aber auch die Dokumentationen von Redakteuren nehmen sich davon nicht aus. Viele schreiben einfach nur ab, was andere geschrieben haben. Bei nahezu niemandem liest man darüber, daß sie zuerst immer über die Dörfer getingelt sind, sich um jede Buchung quälen mußten und sie im Grunde niemand buchen wollte.
Man erfährt auch an keiner Stelle, wer ihnen auf die Beine geholfen hat, sondern jede Dokumentation beginnt mir den ersten großen Erfolgen.

Es waren die Beatles, die in den frühen sechziger Jahren einen Bum auslösten und Beatbands wie Pilze aus dem Boden schießen ließen.

Es waren die St.Pauli-Kontakte unserer Acondor zu den Beatles,
die mich bewegten im Beatgeschäft mitzumischen,
obschon man mir als Produzent der Ariola keine Liebe zu englischsprachigen Aufnahmen entgegenbrachte.
Das mag auch daran gelegen haben, weil ich mit meinen deutschen Aufnahmen für Ariola sofort Glück hatte und alle drei Erst-Produktionen in den Charts plaziert waren.
Man wollte also mehr davon und kein Experiment,
zumal englischspachige Musik deutschen Ursprungs in den Sendern kaum gespielt wurde.

Deswegen gründete ich meine CCA-Records in Osnabrück und gemeinsam mit meiner Frau Karla und dem in Hamburg/St. Pauli beheimateten Harald Götsche die Acondor,
bei dem sich Musiker oft zum Klönschnack trafen.

Die großen Schallplattenfirmen hatten aber auch eigene Verlage.
Die externen Verlage mußten also selbst produzieren,
denn die Plattenfirmen hatten nur ein begrenztes Kontingent.
Dadurch wurde unsere Acondor bald eine Art Auffangbecken,
darunter auch die ersten Platten von James Last und D.T.Heck.
Dadurch hatte ich also ein gewisses Image in der Musikbranche.

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In jener Zeit gab es einmal im Jahr das Deutsche Schlager-Festival,
das von RTL, also Radio Luxemburg ausgerichtet wurde,
und bei dem es um die besten Schlager ging,
die von bekannten Künstlern vorgetragen wurden.
Beim Schlagerfestival 1960 errang ich mit dem damaligen Teenagerstar Peter Kraus den ersten Preis für den besten Teenager-Song.


Es gab aber auch die Deutschen Beat-Festspiele POP 70 für Bands,
und dem Sieger wurde die eine Singleschallplatte garantert.
Ausricher war die Stadt Hannover.

Es wurde eine hohe Medien-Präsenz durch Rundfunk, Fernsehen und Presse zugesichert. Die Sieger-Band würde somit als Band des Jahres aus der Masse der Bands vorrangig herausgehoben.
In jenen Jahren bestimmten die Teenager-Zeitungen wie Musik-Parade, Braco, OK, Leg-auf usw. den Musikmarkt.
Der Erfolg des Siegers dieser Veranstaltung war durch diese hohe Medienpräsenz abgesichert, über die Verlierer redete niemand mehr.
Wer gewann, mußte sich aber um den Erfolg nicht mehr kümmern,
denn die Zeitschriften lebten von seitenlangen aktuellen Berichten.


Manager der Veranstaltung war ein Herr Wolf-Georg Evers,
der durch seine Unterschrift für alles einzustehen hatte.
Er mußte demzufolge auch mit allen Gruppen einen Vorvertrag haben.

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Zu diesen Festspielen am 24. und 25. Oktober 1970 wurde ich als Juror eingeladen und hatte somit einen Schallplattenvertrag zu garantieren, hatte dadurch aber auch das entsprechende Stimmrecht, unter den 400 Bands die auszusuchen, mit der eine Schallplatte möglich sein könnte.
Ich entschied in diesem Moment also, welche der vielen tausend Gruppen im Lande die Chance bekam, durch Rundfunk, Fernsehen und Presse ins Licht der Öffentlichkeit zu gelangen.
Denn in jedem noch so kleinen Ort gab es in jener Zeit Beatbands.
(Einladung klick hier)
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Es waren zu dieser Veranstaltung zwei Box-Ringe aufgebaut. Während auf dem einen Ring eine Band spielte, baute auf dem anderen eine Band ihre Anlage auf. Doch obschon auf jedem Ring eine Standard-Anlage aufgebaut war, weigerten sich viele Band damit zu spielen und bevorzugten ihre eigene vertraute Anlage.

Die meisten der Gruppen unterschieden sich in der Qualität kaum voneinander und eigentlich tat sich keine der Gruppen deutlich hervor.
Ich hätte mich somit für viele der 400 Bands entscheiden können.
Wer zuerst spielte, war nach einiger Zeit auch vergessen.


Die Scorpions hatten sich offenbar sehr spät oder sogar zu spät angemeldet, wurden aber noch zugelassen.
Und wie gerecht man auch werten möchte: Man sucht unter denen aus, die man zuletzt gehört hat, weil der Eindruck noch präsent ist.
Und darunter befanden sich die Scorpions.


Wer also über die Kreuzwege des Lebens nachdenkt,
wird herausfinden, daß man nahezu jede Sekunde irgendeine Entscheidung trifft, die auch anders sein könnte.


Natürlich wußte ich aus meiner Ariola-Erfahrung, daß Stars durch die Präsenz von Hörfunk, Fernsehen und Presse gemacht wurden.
Genau in diesem Moment entschied ich also,
daß über die Scopions monatelang berichtet würde.



Weil der Ausrichter Evers keinen Produktionsvertrag vorbereitet hatte, schrieb ich von Hand einen Text auf die Rückseite der Einladung,
um alles einigermaßen abzusichern.
Man brauchte eine Veröffentlichungs-Erlaubnis, ohne die man keine Aufnahmen auf den Weg bringen durfte.
Es war aber auch notwendig, daß die Gruppen sich ein wenig für ihre erste Platte einsetzten, denn wem die wenigen Hundert nicht abgenommen wurden, würde auch nie etlichte Hunderttausend in die Geschäfte bringen.
Und weil die Bands die ersten Platten in ihrer Euphorie oft durch den Saal segeln ließen für den, der sie fing, um hinterher zu bemerken, daß man die Platten ja auch bezahlen mußte, war eine Zahlungsweise nötig. Wer die Primitivität dieser Vereinbarung belächelt, sollte wissen, daß in damaliger Zeit viele Vereinbarungen noch <auf dem Bierdeckel> festgehalten wurden.
(Vertragsdomument Klick hier)

Ich ernannte die Scorpions also zum Sieger dieser 400 Bands und wurde zum sogenannten Entdecker dieser Band, was immer das auch heißen mag, und auch ihr erster Produzent.
Aufgenommen wurde in unserem kleinen Studio in Osnabrück an der Tiemannstraße, ein Kellerstudio, wie man es aus Hamburger Zeit von vielen Musikverlagen her kannte, die eigene Aufnahmen machten.
Im CCA-Katalog trägt die Scorpions-Single die Nummer CCA 5013, war also bereits fest eingeplant.
Die Aufnahmen wurden aber nie ganz fertig und auch nicht auf Vinyl-Single veröffentlicht. Es gibt sie nur bearbeitet auf CD. Denn dem 2. Titel fehlt noch der Gesang, und warum es nie dazu kam, muß noch ermittelt werden. Die Behauptung, die irgendwo zu lesen war, wonach ich nicht angetroffen wurde, als die Band zum Einsingen der 2. Aufnahme vor der Tür stand, weil ich zum Fußball war, stimmt nicht, denn ich habe nie Fußball gespielt oder angesehen, sondern bis 1960 Handball gespielt, hatte mit Abschluß des Produktionsvertrags mit der Ariola aber aufgehört zu spielen.
Es kam aber häufiger vor, daß Bands ohne Terminabsprache vor der Tür standen und aufnehmen wollten. Weil ich dort aber nicht wohnte, konnte man mich auch nicht unangemeldet antreffen.
Von der A-Seite gibt es eine unbearbeitete Rohaufnahme auf 38er Band, und weil sie nie nachbearbeitet wurde, ist sie ein unverfälschtes Dokument aus den Anfängen dieser Band. Diese Aufnahme zeigt die Gruppe also, wie sie wirklich mal in den Anfängen war und mag von unbezahlbarer Bedeutung sein.
Bis dahin waren die Scorpions eine der vielen No-Name-Bands, wie man dem Info von Rudolf Schenker, dem damaligen Specher der Gruppe, entnehmen kann. Bevor ich die Band zum Sieger erklärte, hat sich in den Jahren von 1964 bis 1970 keine Tür zum Erfolg geöffnet.

(Werdegang-Klick hier)

Die Begeisterung der Scorpions war wohl sehr groß,
denn schon als sie zur Aufnahme nach Osnabrück kamen, brachten sie ein riesiges Din-A1-Plakat mit, also so groß wie acht Briefblätter.
Dieses Plakat hat seinen Platz in unserem Studio aus gutem Grund, denn die allererste Studio-Aufnahme der Band befindet sich bei uns,
auf unserem <38er-Schnürsenkel>.
(Scorpions-Plakat-Klick-hier)
















Sammler haben aber die Möglichkeit die Aufnahmen zu hören, denn sie sind auf CD erhältlich.

Erschienen sind sie 1996 bei Nowicky-Records
(PSYCHEDELIC GEMS PGCD 01)

und 1997auf dem Label GeeDee (270122-2)
im Vertrieb von Tiff-Warner Brothers auf CD


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