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Der Beat der 60er Jahre

CCA
Es gibt Schallplattenmarken im Zig-Tausenderbereich allein in Deutschland,
zum Teil Riesen-Konzerne.
Dass unsere CCA zum Cult-Label erhoben wurde, ist unbegreiflich.
Wir haben nichts dafür getan, es hat sich einfach so entwickelt.
Ein solches Image kann sich keiner selbst zurechtzimmern.


Ehe wir die 60er Jahre um uns herum beschreiben,
lassen wir mal die andere Seite, die Künstler, zu Wort kommen.

Dietrich Graf von Plattenberg schreibt auf seiner Homepage:
"An dieser Stelle ein Wort an Hans Werner Kuntze: 35 Jahre danach,
verzeihen Sie bitte einem inzwischen angegrauten
und wohl etwas "weiser"gewordenen ollen Beatnick.
Wir waren jung hatten Flausen im Kopf.
Wir alle wollten auch "die Beatles" sein
und waren nur die kleine Band im Städtchen.
Sie dagegen haben vielen ein Stück von dem gegeben,
von dem die "60er" nochheute profitieren. Danke ! "
http://www.dvplettenberg.de/Frueher.htm


Weitere Berichte auf diesen Links
http://www.diregarden.com/god_gems_001.html


Unser Startlabel für Beatmusik war CCA-Records.
Das Kürzel stand für 'Concert-Coorperation of Allemania'. Auf CCA begannen wir mit Monique, nachdem wir vorher bei unserem Vertragspartner Ariola schon einige Beat-Platten veröffentlicht hatten.
Vieles, was über uns und unsere Label geschrieben wird, stimmt so nicht.
Für jede Labelfirma geht es vorrangig um den Absatz von Tonträgern. In Vertriebssitzungen wird somit über Werbemaßnahmen nachgedacht, denn von der richtigen Einschätzung der Situation und der Möglichkeiten hängt es ab, ob man ein Produkt am Markt durchsetzen kann. Das betrifft den Einsatz bei Funk und Fernsehen, Berichte in den Print-Medien, Information der Schallplattengroßhändler, die ja weitestgehend den Bereich der Musikboxen-Aufsteller manipulieren konnten, Informationen an Künstler-Agenturen, damit die Künstler eingesetzt wurden, und die Einarbeitung von Meldungen, die wir von den Künstlern erhielten. Wir haben die Künstler wo es angebracht war auch über unsere Maßnahmen informiert, um ihnen die Möglichkeit zu geben sich einzuklinken, weil die betreffenden Stellen den Künstlern attestierten, dass sie künstlerische Interessen hatten, während man der Industrie rein geschäftliche Interessen zuschrieb. Insofern hatten Künstler es leichter etwas zu bewegen, und die sich wirklich darum kümmerten, hatten dann ja auch Erfolg.

Die Informationen, die in Büchern über die 60er Jahre nachzulesen sind, stammen fast ausschließlich von der anderen Seite. Aus Sicht der Künstler stellt sich alles in Form von Erfolg und Mißerfolg dar. Es war ein Hit in den Charts, oder eben nicht. Und was vorher ging, ehe eine Platte erschien, wird nicht beschrieben. Und weil sich alle Firmen tagtäglich um den Erfolg ihrer Produkte bemühen und immer nur einer die Nummer eins werden kann, handelt es sich fast immer nur um die Beschreibung von Mißerfolg, denn schon die Nummer zwei war nicht der Sieger. In den meisten Fällen wurde und wird den Firmen Unfäghigkeit nachgesagt, weil sie unverkäufliche Produkte nicht verkäuflich machen konnten. Aber der Markt gab eben nicht mehr her; man kaufte, was gefiel, und ein Produkt, und damit ist der Tonträger und der Künstler gemeint, läßt sich ohne enge Einbeziehung des Künstlers nicht vermarkten. Denn Fan-Clubs verlangten den engen Kontakt zum Künstler. Die Künstler aber waren berufstätig und ließen sich nicht einbinden. Und am Wochenede traten alle auf den Plan, da gab es dann mehr Künstler als Zuschauer. So stellt sich alles nur aus der Sicht der Künstler dar, die nicht gespielt wurden. Doch bei den Sendern saßen unabhängige Programm-Macher, und die wurden zugeschüttet mit neuen Platten, denn damals wurden nur zwei Aufnahmen benötigt für die nächste Veröffentlichung, und zwar in Abständen von zumeist 4 Monaten.

Was in Büchern also nachzulesen ist, ist die Sicht der Künstler. Denn die waren bei Vertriebssitzungen nicht dabei. Vielleicht aber werden wir irgendwann doch noch dazu kommen unsere Akten zu wälzen, um die 60er Jahre näher zu beschreiben.

Denn inzwischen ist die Gilde der Plattensammler hinzugekommen, und die weiß über das, was sie sammeln, nur soviel wie man irgendwo aus Büchern lesen kann. Denn die Macher jener Zeit leben größtenteils nicht mehr.

Was aber an Behauptungen inzwischen unter Sammlern grassiert, stellt sich so dar wie jemand, der gerade mal einen Handwagen hinter sich herziehen kann und behauptet zu wissen, wie die Elektronik in einem Formel-1-Rennwagen erbaut ist und funktioniert. Denn wie ist es wirklich:

Wer das Medium Vinylplatten der 60er Jahre wirklich richtig beurteilen will, muß Kenntnisse vieler Maßnahmen haben, die damals wichtig waren, also alles über den Boxengroßandel und über Boxenaufsteller wissen, muß sich mit Arrangements auskennen, also Musik studiert haben, muß Pressereifachmann sein, um sich mit Presswerkzeugen, Vinyl und Laufrichtung von Etiketten-Papier auskennen, muß Tontechniker sein, um die Unterschiedlichkeiten bei Aufnahmen-Techniken zu beurteilen, muß Schneidetechniker sein, also Überspiel-Spezialist mit der Beurteilungsfähigkeit von Frequenzkurven, muß Chemiker sein, um alles über Galvanik bei der Herstellung von Preßmatrizen zu wissen, muß ausübender Musiker sein, um den Markt aus seiner Sicht zu beurteilen, muß Schriftsetzer und Offsetdrucker sein, um sich mit Buch- und Offsetdruck auszukennen, muß Papiermacher sein, um etwas über verwendbare Papiersorten zu wissen, um nicht Offsetpapier mit Kopierpapier zu verwechseln, muß Lithograf sein, um etwas über Korn, Pixel und Moaree bei Plattentaschen zu wissen, und Produzent, um zu wissen was er macht, aber auch Aufnahmetechniker, um die Probleme der 60er Jahre, die Maschinentechnik, Bandsortenprobleme, Rauschprobleme und Tonköpfe zu wissen. Und weil das nicht möglich ist, sollten Sammler sehr vorsichtig mit Behauptungen umgehen, denn die Fachleute können ihnen Unkenntnis sehr leicht nachweisen.

Wenn wir als Labelfirma beispielsweise alle Sender mit der Single bemustert haben, die Sender aber nicht spielten, dann sieht das aus Sicht der Bands aus, als hätten wir uns nicht bemüht. Aber es waren ja nicht nur die Sender, die nicht reagierten.
Wir haben auch alle Großhändler bemustert, weil die marktbeherrschend waren hinsichtlich der Musikboxen, wir haben die Musikzeitungen bemustert und mit Berichten versorgt, und damals gab es noch einige Konkurrenzzeitungen zur Bravo, die längst eingegangen sind, schade, denn sie hatten durchaus ihren Sinn und Marktwert, wie die <OK>, die <Musikparade>, <Wir> usw.
Wir haben also Infos rausgegeben, soweit uns die Bands damit versorgt haben, haben Fotos verschickt, haben auch Agenturen bemustert.
Zusammenfassend also sei gesagt: Wir haben alles das gemacht, was wir auch als Ariolaproduzenten machten. Denn eine Labelfirma will Tonträger verkaufen, nur davon, wirklich nur davon lebt sie.

Buchautoren, die den Lesern die Höhe der Preßkosten als den Maßstab der aufgewendeten Kosten nennen, zeigen damit aller Welt, dass Sie absolut nichts von der Branche verstehen. Schlimm daran ist eigentlich nur, dass sowas überall nachgeplappert wird, weil es da ja <schwarz auf weiß> steht, und weil alles, was geschrieben steht, auch glaubhaft sein muß. Die Kosten für die Pressung kann man nämlich vernachlässigen, sie sind hinsichtlich der Gesamtkosten völlig unbedeutend. Und eigentlich sind auch die Kosten für die Aufnahmen und für die Drucksachen, also Hüllen und Etiketten, nachrangig.
Die wirklich bedeutenden Kosten entstehen durch Anzeigenwerbung und durch den Zeitaufwand der Mitarbeiter für Presse-Informationen, Bemusterung, Fanclub-Betreuung, Besuch der öffentlichen Veranstaltungen, Planung, Vertriebssitzung und dergleichen, aber auch innerbetriebliche Vorgänge wie Vertragsverhandlungen und Abschlüsse, vorhergehende Titelauswahl mit zeitaufwendigen Gesprächen im Vorfeld, Künstlerberatung nach kommerziellen Grundsätzen, Termine jeder Art, Katalogisierung und manches mehr. Würde man aber alle diese Maßnahmen nicht vornehmen, machte es auch keinen Sinn die Platte überhaupt zu veröffentlichen. "Ganz oder gar nicht" ist das System.

Man hört seit einiger Zeit immer mal wieder, dass einige Produzenten für eine Aufnahme eine Woche oder sogar einen Monat brauchten. Alles soll perfekt sein, aber manchmal klingt es auch ziemlich steril. Für die Aufnahmen der 60er und 70er Jahre brauchten wir nur einen Tag, und zwar für beide Titel, wenn der Sänger die Titel perfekt einsingen konnte. Natürlich waren die ausübenden Musiker Profis, Angestellte der Sender, die ihr Handwerk von Grund auf erlernt hatten, und was sie spielen mußten, lag in Form von Noten vor. Die Musiker meines Studio-Orchesters waren Hansi (James) Last, sein Bruder Robert, Billy Mo, Ladi Geisler, Joe Mendt, Jonny Müller, Erich Sendel, Friedel Wende u.a. Alles mußte immer vollständig durchgespielt werden, es gab keinen Computer, mit dem man Teile zusammenkleben konnte.
Viele dieser Aufnahmen werden auch jetzt noch von den Sendern gespielt und halten jedem Vergleich mit heutigen Aufnahmen stand. Für unser Ariola-Schlagerprogramm gingen wir immer ins Realfilm-Studio in Hamburg, weil da alles schnell und glatt ablief. Zu dieser Zeit war ich Produzent der Ariola, betrieb aber auch schon meine eigenen Label CCA im Vertrieb der Metronome und Acondor (auf St- Pauli) im Vertrieb der DA.
Für Beatmusik allerdings war der Weg über teuere Studios verschlossen, denn wir hatten es hier mit Laienmusikern zu tun, die zwar einstudiert ins Studio kamen, aber viel Zeit für den Aufbau der Anlage brauchten, zumeist nicht pünktlich kamen und zudem eben auch nicht wußten, dass man eine Aufnahme mehrmals fehlerfrei durchspielen mußte, weil alles noch live war und so aufgenommen wurde, wie er herausgespielt wurde. Alles wurde auf Band aufgenommen, schneiden war nicht möglich, weil unterschiedliche Einspielungen nicht zusammen paßten und man den Schnitt am Sound erkennen konnte.
Ohne diesen Weg mit eigener Technik hätte es beispielsweise die Scorpions nie gegeben, weil wir dann keine Beatmusik aufgenommen und veröffentlicht hätten und somit auch nicht zu diesen Castings eingeladen worden wären, denn wir als Produzent bei der größten Schallplattenfirma in Europa sollten mit dem Sieger solcher Wettbewerbe Aufnahmen machen, konnten somit den Sieger bestimmen, die Gruppe also, die wir für geeignet hielten. In diesem Falle bei dem mehrtägigen Wettbewerb in Hannover mit einigen hundert Bands wählten wir die Scorpions aus. Man sollte aber nie vergessen: Es hätte durchaus auch eine andere Band treffen können, denn so groß waren die Unterschiede nicht. Wir waren bei derartigen Großveranstaltungen das Sprungbrett zur Karriere, denn die wurden von den Medien und auch von den Major-Plattenfirmen beachtet, und wer da gewann, bekam in der Regel einen Schallplattenvertrag bei einer der Majorfirmen.
Was wir machten, war Live-Musik, handgemacht und in einem Durchgang aufgenommen, ohne Schnitt, ohne Nachbearbeitung. Der gesamte Sound mußte während der Aufnahme erzeugt werden, ob Hall oder Echo, und immer hatten wir das Problem mit dem Bandrauschen. Es gab keine Nachbearbeitung, wie man das heute mit den einzelnen Spuren machen kann, denn alles war wie auf Band wie aufgenommen, und was immer man dran änderte, wirkte sich auf alles auf, was auf dem Band war. Wenn Sammler für unsere CCA-Aufnahmen heute hohe Summen auf den Tisch legen, wie wir bei Ebay immer wieder sehen können, kann nicht alles so falsch gewesen sein, was wir gemacht haben.

Die Herstellung einer Vinyl-Schallplatte allerdings bedingte das Zusammenwirken vieler hervorragender Fachleute, Und weil Laien aus der Nachpressung einer Folge-Auflage eine Raubpressung machen und den Sinn nicht verstehen, klären wir nachstehend den Sachverhalt auf.

Thema Raubkopien vorweg
Immer wieder behaupten da und dort Sammler, CCA-Platten würden auf Auktionen wie z.B. Ebay als Raubkopien angeboten werden. Möglicherweise meinen die damit ja auch Raubpressungen.
Dass man das für möglich hält, macht uns natürlich sehr stolz,
denn welches Label auf dem Sammlermarkt hat wohl einen derart hohen Stellenwert, dass man Raubkopien für möglich hält. Nicht einmal über Singles der Beatles oder King Elvis behauptet man sowas.

Raubkopien
Sowas kann es nicht geben, denn Singles werden durch Saphir mechanisch abgetastet, es sind also keine digitalen Daten darauf, Vinyl ist eine teigähnliche Kunststoffmasse, die vor der Pressung als ein schneeballgroßer Klumpen mittels Preßmatrize in der Preßmaschine mit den eingeschnittenen Vertiefungen und Auslenkungen gepreßt wird, während das Etikett heiß mit eingepreßt wird. Auf Vinyl kann man also nichts kopieren, denn die Masse kann keine digitalen Daten aufnehmen, alles ist nur mechanisch.
Es ist schon erstaunlich, dass in Sammlerkreisen derartige Behauptungen kursieren.

Raubpressungen
wären technisch möglich gewesen, und hätten wir erfahren, dass jemand unsere Singles nachgepreßt hätte, wir hätten damit eine riesige Werbekampagne gestartet. Denn was kann bedeutender sein, als dass man Singles eines Labels illegal nachpreßt bei den ernorm hohen Herstellerpreisen und damit verbundenen Problemen.
Die Merkmale einer Single sind optisch und akustisch so einzigartig und in einer millionenfach unterschiedlichen Menge vorhanden, dass sie nicht nachzuahmen wären. Der Unterschied wäre auf den ersten Blick erkennbar gewesen. Das hätten nicht einmal die Techniker von James Bond 007 fertiggebracht.
Wer also eine Single ohne Zuhilfenahme der Originalwerkzeuge täuschend ähnlich nachmachen könnte, hätte sicher einen höchstdotierten Job beim Geheimdienst bekommen können.
Man benötigte zum Nachpressen die Originalwerkzeuge und Original-Druckstöcke. Und die wurden in den meisten Fällen schon bald nach Auslaufen des Angebotes vernichtet und befanden sich auch in Händen unterschiedlicher Hersteller, so dass ein einzelner darauf ohnehin keinen Zugriff hätte haben können.
Ein Raubpresser hätte also folgendes tun müssen: Weil die Etiketten in einer Spezialdruckerei gedruckt wurden, die nur die Labelfirma und die Presserei kannte, hätte er sie wissen und bei Nacht und Nebel in die Druckerei eindringen müssen, hätte die Vordrucke mit dem Rundtext finden müssen, hätte den Eindrucktext setzen müssen, und zwar paßgenau, was schon eine Unmöglichkeit ist, hätte aber ein gelernter Bleisetzer sein müssen, um überhaupt mit Buchstaben umgehen zu können und den Satz auszuschließen, damit er in der Druckmaschine nicht rausspringt oder rausgerupft würde, mußte die Druckmaschinen einrichten und bedienen können, hätte die Etiketten drucken und schnelltrocknen müssen, mußte dann nach der Etiketten-Stanze suchen, mußte sie paßgenau einrichten, um dann zu stanzen, mußte die Etiketten nach A un B bündeln und sichern, ohne dass sie aus der Hand spritzten, um dann in der Presserei einzudringen, die Preßwerkzeuge finden müssen, was erhebliche Fachkenntnis bedeutete hätte, um nicht irrtümlich die Preßmütter auszuwählen, hätte die Maschinen einrichten müssen, hätte Preßmasse finden müssen, müßte wissen, wie man die Etiketten paßgenau einlegt, hätte dann auch die überschüssigen Ränder nach dem Preßvorgang entfernen müssen, und noch immer hatte er ja keine Hüllen. Denn die waren eben nicht in der Presserei, sondern bei uns.
Wer also alles das könnte, müßte keine Singles raubkopieren, sondern würde sich für höhere Aufgaben eignen, denn er verkörperte eine Vielzahl von Fachberufen.
Wer nun allerdings gar nicht die Originale hätte nachpressen wollen, sondern nur die Aufnahmen, ohne die Originalbänder zu haben, die ja bei uns liegen, der hätte von einer Single selbst überspielen müssen mit all den Knackern und technischen Überspielfehlern, denn Überspielfirmen würden sich weigern Diebstahlprodukte zu überspielen, denn die Firmen kennen sich aus auf dem Tonträgermarkt, was die Labelfirmen anbetrifft. Nachdruck von Hüllen machten ein ebensogroßes Problem, denn jeder Kenner weiß, dass gescanntes Raster moaree wird.
Es ist also schon erstaunlich, wie wenig Kenntnis manche Sammler haben, für die solch ein Stück doch einen hohen und ständig steigenden Wert besitzt.

Wir glauben also nicht, dass jemand CCA-Singles nachgepreßt hat. Aber das man es für möglich hält, macht uns doch etwas stolz.


Die Etiketten
In der Frage der Etikettenfarbe haben wir uns für oker entschieden. Die Schrift haben wir der Druckerei überlassen, der Schrift haben wir eigentlich keine Bedeutung beigemessen. In jener Zeit hatte ein Logo noch nicht die gravierende Bedeutung wie heute, zumindest nicht aus unserer Sicht. In den meisten Fällen hat die Druckerei eine Grotesk verwendet, manchmal aber auch Antiqua.

Die Etikettendruckerei Schmidt hatte in den 60er Jahren den Sitz in Osnabrück, dem damaligen Sitz unserer CCA. Dort ließen wir vorrangig drucken. Schallplattenetiketten konnten nur wenige Druckereien herstellen. Es bedurfte dazu einer bestimmten Papiersorte, die der Hitze des Trockungsofens stand hielt ohne zu verfärben oder zu verbrennen. Aber auch die Laufrichtung des Papieres hatte eine Bedeutung. Eine falsche Papiersorte oder eine falsche Laufrichtung konnte dazu führen, daß sich die Single nach einiger Zeit verzog.

Schmidt druckte Etiketten mit mehreren Nutzen vor. Einer der Gründe war, daß der Rundtext, der den Etikettenrand umlief, als Druckform vorlag, und in der Mitte dieser Druckform befand sich Leermaterial aus Blei und einige immer wiederkehrende Satzteile. Hätte man die veränderbare Schrift für den Eindruck hineinbauen wollen, wäre der Satz zusammengefallen. Der Vordruck hatte also in erster Linie satztechnische und rationale Gründe.


Manchmal mußten wir auf andere Etikettenfarben ausweichen. In unserem Falle waren das Probleme die Lagerhaltung in der Druckerei oder die Vorgaben unseres Vertriebes Metronome. Die CCA 5022 'Monique / Bus stop' erschien etwa zur gleichen Zeit wie die 2. Auflage der Petards 5021 und hat aus dem Grunde auch violette Etiketten, weil Oker-Vordrucke nicht vorhanden waren und nicht sofort nachgedruckt werden konnten. Später wechselten wir die Etikettendruckerei, die aber auch nicht in der Lage war unsere ursprünglichen Oker-Etiketten-Farbe bereitzustellen. Das war einer der Gründe, warum spätere CCA-Veröffentlichungen auf schwarzem Etikett erschienen. Aber auch der Vertrieb wünschte das, denn Metronome-Etiketten waren auch schwarz. Dieser Etikettenfarbe haben wir aber keine größerer Bedeutung beigemessen, sie war damals für uns nicht image-relevant und nach unserer Meinung für den Markt unbedeutend. Heute scheint das bei Sammlern durchaus von Bedeutung zu sein, aber wir können die Zeit nicht zurückdrehen, um alles so zu machen, wer der Sammler das heute gern hätte.


Die Auflagen

In jener Zeit wurden Singles, deren Künstler nicht sofort auch größere Verkaufszahlen erwarten ließen, in kleiner Auflage angepreßt. Diese Auflage diente der Bemusterung der Sender, der Schallplattengroßhändler, der Musikboxengroßhändler und Boxenaufsteller, der Presse sowie der Beteiligten wie Künstler und Produzenten. Und einige Singles waren für die Archivierung bestimmt.
Die großen Firmen veröffentlichten aber nur Aufnahmen, von denen sie sich größeren schnellen Erfolg in irgendeiner Weise versprachen. Der Beatscene hatte kaum Platz in der Planung dieser Firmen, und das konnte auch nicht anders sein, denn Beatbands schossen wie Pilze aus der Versenkung hervor, es gab in fast jedem Dorf eine Gruppe, und in jeder größeren Stadt gab es sie zu dutzenden. Aber nur wenige Musiker hatten erlernte Musikkentnisse, Gitarrenspiel zu erlernen hingegen war verhältnismäßig einfach. Und so spielte man eben, so gut es ging.
Aber die Aufnahmen waren sehr zeitaufwendig, denn man verspielte sich oft, und wenn sich ein Musiker verspielte, mußten alle noch einmal von Anfang an durchspielen. Anschneiden wäre technisch möglich gewesen, aber die Teile hätten nicht aneinandergepaßt, weil der Sound und das Tempo ständig wechselten.
Auch aus dem Grunde war eine Produktion im Studio der Real-Film, wo wir unsere Aufnahmen für Ariola produzierten, nicht finanzierbar, denn es war nicht nur die Studiozeit, die zu finanzieren war. Das Grundplayback, also Baß, Gitarre, Drums und Sound, zumeist Hammondorgel, machten wir dort für unsere Ariola-Produktionen oft in einer halben Stunde. Alles funktionierte. Da war Werner Pohl als Tonmeister, der auch die alten Filme von Warner und MGM synchronisierte, und da waren die Musiker meiner Studioband, nämlich Hansi Last (der spätere James Last) am Baß, sein Bruder Robert Last am Schlagzeug, Ladi Geisler an der Gitarre, Jo Mendt am Bandonion, Jonny Müller am Saxophon, den man als Solist auch an der Mundharmonika kannte, da war Billy Mo, dessen Lied vom Tirolerhut längst Kult ist, und den Sound machte Erich Sendel. Die dritte Einspielung war in der Regel bereits das Endresultat, aber man spielte nach Noten, die auch jemand für viel Geld arrangieren mußte.
Aus dem Grunde konnte der Weg nur sein, eine eigene Anlage anzuschaffen. Und als u.a. gelernter Rundfunkmechaniker mit Kenntnis im Lautsprecherbau erschrak ich nicht davor, denn ich hatte ja schon ein halbes dutzend Jahre Produktionserfahrung für Ariola im Profistudio.

Es sprach sich schnell herum, daß man bei CCA zur ersten Platte kommen konnte, denn die meisten Bands hatten längst schon einen kleinen Stamm von Fans, die auch am Kauf einer Single interessiert waren.
Das System war einfach. Durch die eigene Studioanlage lagen die Aufnahmekosten nur im Aufwand von Zeit. Die geringen Materialkosten waren unerheblich. Die eigenen Vorkosten spielten also eine untergeordnete Rolle. Das Problem waren die Herstellungskosten.

Wir preßten in der Regel zunächst etwa 350 Singles an, wenn die Band glaubte 300 Platten selbst verkaufen zu können, oder 550 Singles, wenn die Band 500 Platten abnahm. Dieses System hätte auch auf viele Jahre hin funktioniert, wenn alle Bands die Platten bezahlt hätten. Aber wenn die Musiker durch den Plattenverkauf Geld in die Hand bekamen, gaben einige dem Ersatz des allzudefekten Autos oder neuer Teile der Anlage den Vorrang, und wir bekamen das Geld nicht, um weiter finanzieren zu können, denn Gewinn brachte die Erstauflage ja nicht ein, und die erhoffte zweite Auflage blieb fast immer aus wegen der ausbleibenden Nachfrage.

Seit Singles der 60er Jahre ein Sammlerobjekt geworden sind, tauchen Fragen auf, denen wir damals keinerlei Bedeutung beigemessen haben, und die sich nicht immer leicht beantworten lassen. Denn die Unterlagen jener Zeit haben mehrere Umzüge hinter sich und haben zumTeil auch durch Feuchtigkeit gelitten außerdem haben wir der Tierwelt damit ein wenig geholfen, denn manche Maus hat ihren Hunger im Witer damit gestillt
Es gilt aber festzuhalten, daß Fakten, die Sammler heute zur Norm erheben, damals keine Norm waren. Normen gab es kaum. Wir haben veröffentlicht, so gut es eben ging, und nicht nur wir, sondern viele andere kleine Label auch. Jede Platte also hatte ein eigenes Leben und eigene Normen.



Die Single-Taschen
In den 60er Jahren spielte die Taschenfrage eine gewichtige Rolle. Zumeist wurden Singleplatten in jener Zeit noch in Standard-Lochtachen geliefert. Das ausgestanzte Mittelloch hatte Etikettengröße, so daß man alle Etikettendaten ablesen konnte. Weil diese Taschen für alle Platten geeignet waren, konnte man sofort eine Großauflage herstellen lassen, wodurch das Einzelstück preislich nicht ins Gewicht fiel. Sondertaschen wurden nur für Topstars gemacht, die sich auf dem Markt schon durchgesetzt hatten, oder für Künstler, deren Marktchancen bei der Schallplattenfirma hoch eingeschätzt wurden. So traf der Herausgeber bereits eine Vorauswahl. Weil meine Ariola-Produktionen fast ausschließlich mit Sondertasche erschienen waren und auch erfolgreich anliefen, haben wir später auf unseren eigenen Labels immer Sondertaschen verwendet, wenn wir Fotos der Künstler zur Verfügung hatten. Aber . . .

Das Eintaschen unserer Singles war für die Presserei ein Problem. Die Kosten für vierfarbige Taschen waren eigentlich unerschwinglich, denn es mußten vier Filme, also Farbauszüge, gemacht werden. Das genaue Einpassen vor dem Druck war extrem zeitaufwendig. Dann mußten die vier Farben einzeln gedruckt werden, und nach jeder Farbe mußte die Maschine gewaschen werden. Bei den kleinen Auflagen von 1.000 Stück, das war die Mindestauflage, war die reine Druckzeit der geringste Zeitaufwand. Die Offsetplatten waren so herzustellen, daß die Farben auch auf tausendstel Millimeter genau übereinanderpaßten. Die Druckplatten in der Maschine waren dann so einzurichten, daß absolute Paßgenauigkeit bestand. Und die richtigen Farben zusammenzustellen war eine Kunst, denn wenn die erste Farbe, also Gelb, nicht genau paßte, war alles verloren, denn dann paßten auch blau, rot und schwarz nicht mehr. Die geringste Abweichung von der Norm führte also zu bösen Farbverfälschungen. Und weil die Maschinen nach jedem Farbwechsel gewaschen werden und die gedruckten Farben auf dem Papier schnell trocknen mußten, damit die nächste Farbe nicht schmierte, hatten es die Drucker nicht leicht. Diese Taschen mußten dann auch noch beschnitten und gestanzt werden, denn es gab ja Klebefalzen. Dann mußten die Papiere auch noch gefalzt werden, ehe sie geklebt werden konnten. Die Kosten für geklebte Vierfarb-Taschen waren also sehr hoch, so daß wir frühzeitig nach einer anderen Lösung gesucht haben, die große Firmen schon aus Imagegründen ablehnten. Und das waren Falteinleger in Polyhüllen. Damit allerdings verlagerten wir das Problem auf die Presserei. Denn während die eine Single gepreßt wurde, muß die vorherige Single von den Randresten befreit und dann eingetascht werden. Aber die Polyhüllen klebten, die Öffnung hatte sich also festgesaugt und ließ sich nur schwer öffnen. Noch schwerer war aber, den Einleger hineinzuschieben, denn der paßte ja möglichst millimetergenau, hatte also kein Spiel und ließ sich kaum schieben, weil er sich zudem noch festsaugte. Und dann mußte auch noch die Platte hineingeschoben werden. Irgendwann machte die Presserei das nicht mehr mit und lieferte uns die Platten nur noch in weißen Lochtaschen, wenn wir keine geklebten Hüllen anlieferten. Wir mußten also selbst eintaschen. Also haben wir immer nur soviele Platten eingetascht, wie benötigt wurden. So kommt es, daß wir hier in den Kartons und Umkartons häufig noch Singles haben in weißen Hüllen, und die Einleger lagern noch in den Taschenkartons. Weil wir damals aber auch Werbung betrieben, dann aber auch sehr mit den Ausgaben rechnen mußten, haben wir Werbestreifen gedruckt in Taschenbreite, die wir über und unter die Schallplattenhülle geklebt haben. So hatten wir dadurch die in Plattenläden beliebten Plakate hergestellt, denn die Händler wollten nur Werbung, die nicht breiter als eine Platte war, um die Sicht ins Schaufenster nicht zu verdecken. Allerdings führte das dann manchmal dazu, daß uns die Taschen ausgingen. Also haben wir manchmal die Hüllen durchgeschnitten, vorn vor die A-Seite der Platte das Hüllendeckblatt gelegt und hinten an die B-Seite eine Platten-Werberückseite, die wir in größerer Auflage drucken konnten, weil sie ja hinter jede Platte paßte. So kommt es, dass Platten mit Falteinleger herausgegeben wurden, aber auch mit durchgeschnittener Falz und einer Werberückseite. Eine Norm konnten wir uns nicht leisten. Hätten die Fans damals mehr Platten abgekauft, hätten wir alle diese Klimmzüge nicht machen müssen. Die Hüllen also können durchaus unterschiedlich sein. Durch diese nachtrögliche Eintascherei lief uns dann aber auch die Zeit davon. Und wenn eine zusätzliche Finanzierung hinzu kam, haben wir manchmal eben doch geklebte Hüllen gemacht. Die 5020 Lord Crazy war so ein Fall. Diese Platte wurde in Polyhüllen, aber auch in geklebten Taschen ausgeliefert, allerdings ist das eine einfarbige Tasche, wodurch die Kosten erheblich reduziert werden konnten. Es gab manchmal aber auch Sänger, die bestanden auf einer vierfarbigen Tasche und haben eine großere Fangemeinde gehabt, die Platten abkaufte. Immer also war alles eine Frage der Finanzierung, aber nicht nur bei uns, sondern auch bei den Majors.

Sammler wundern sich manchmal, wenn sie die gleiche Platte zweimal nebeneinander sehen, dass die Hüllen unterschiedlich sind. Unsere Erkenntnis aus der Ariolazeit war, dass die Optik einer Platte eine wichtige Rolle spielte. Also wollten wir nicht die Lochhüllen verwenden, sondern immer eine Sondertasche machen. Die Bands legten darauf auch sehr großen Wert. Weil das aber teurer war als die Pressung der Single, mußten wir jede Möglichkeit nutzen, um Kosten zu verringern. Unsere Druckerei verwendet deswegen das Restpapier aus den Abfallkästen, was zur Folge hatte, dass Plattenhüllen einer bestimmten Single auf unterschiedlichen Papiersorten gedruckt wurde, je nach vorhandener Menge. Für den Handel war das absolut unbedeutend, denn niemand kaufte zwei Platten einer Single. So kam es vor, dass eine Single zum Teil in Offsetpapier geliefert wurde, aber auch in Kunstdruckpapier, oder in genopptem Papier, manche nur mit Einlegeblatt und neutraler CCA-Rückseite, je nachdem, was wir gerade hatten. Ein-unddieselbe Single gibt es oft also in unterschiedlichen Papiersorten. Es ging nur so. Sammler heutiger Zeit behaupten aber immer, die einzig richtige Form der Platte zu haben, und jede andere Hülle sei ein Nachdruck, was aber nicht möglich ist, denn die Filme liegen bei uns im Archiv. Niemand könnte unsere Hüllen nachdrucken. Fotokopien unserer Hüllen kann man aber erkennen, denn das Raster hat Moaree. Nur die Originalhüllen haben Raster. Und damit ist alles gesagt.


Nachpressungen

Jetzt, nach etlichen Jahrzehnten, sind Platten unserer Label Sammlerstücke geworden. In den meisten Fällen haben wir die erste Start-Auflage nicht ausverkaufen können, so dass noch ungespielte Restbestände der 60er Jahre im Archiv oder in den Original-Kartons vorhanden sind. Eine zweite Auflage ist von solchen Platten dann folgerichtig auch nie nachgepresst worden.
Nur von einigen wenigen Singles musste eine 2. Auflage gepresst werden, weil die Startauflage vergriffen war. Diese 2. Auflage wurde aber von den selben Preßmatrizen hergestellt wie die erste Auflage, sofern die Matrizen nicht inzwischen eingeschmolzen waren. Es sind somit auch Original-Pressungen, aber eben nicht die Startauflage.
Immer wieder aber tauchen auf Ebay irreführende unfachliche Begriffe auf von Anbietern auf, die Hörensagen weitergeben, ohne der Fachsprache jener Zeit mächtig zu sein. Gefährlich wird das erst, wenn diese Leute Falschinformationen dazu nutzen, um Sammler in die Irre zu führen.
Wir werden unten auf dieser Seite die Daten der betreffenden Veröffentlichungen richtig stellen, damit jeder Sammler weiß, was wirklich auf den Markt gekommen ist. Und das wissen nur wir auf Grund unserer Akten. Anderslautende Informationen sind also falsch.

Unsere Restbestände
Singles, die wir noch in Kartons gelagert haben, die mehrere Umzüge überstanden haben und die nur aus Sentimentalität noch nicht vernichtet worden sind, sind absolut ungespielt und preßfrisch, aber eben schon Jahrzehnte alt. Und auch die Hüllen haben manchmal schon ein wenig gelitten, denn die Kartons sind aus Wellpappe, und Feuchtigkeit, Wärme und Kälte haben davor nicht Halt gemacht. Denn die Platten haben immer auf dem Dachboden ihr Dasein verbracht, allerdings in großen Umkartons, in denen sie zu uns verschickt worden waren. Die 30er Kartons also befinden sich in den Umkartons à 10 Kartons.

Raubpressungen? Wer wollte das wohl bezahlen?
Um die Kosten einer Single-Nachpressung wieder hereinzuholen, müßte man schon ein Optimist sein, der auch daran glaubt ganz sicher im Lotto eine Million zu gewinnen, denn einen Markt dafür gibt es nur in Sammlerkreisen, und dieser Markt ist äußerst begrenzt. Die Rechnung ist sehr einfach. Gäbe es ein Interesse für eine bestimmte Platte, müßte man einige tausend Euro vorfinanzieren. Würde man einmal im Monat 25,- Euro bei der Versteigerung erwirtschaften, so wären das im Jahr 12 Platten gleich 300,- Euro. In zehn Jahre hätte man also 3.000,- Euro hereingeholt und damit wohl einen Teil der Kosten gedeckt. Aber wer würde sich wohl darauf verlassen wollen, 120 Platten derselben Nummer über einen solchen Zeitraum zu verkaufen.
Die Bänder
Nachpressungen scheitern aber auch noch an ganz anderen Voraussetzungen. Nur wir, der Produzent, haben die Originalbänder. Und weil die alle die Jahre der Witterung ausgesetzt sind, und auch dem Verschleiß der vielen Jahre, werden die Bänder kaum noch verwertbar sein. Der Fachmann überdies weiß, daß Magnetismus durch das Band dringt. Wer also jene Bänder mal umdreht und die Rückseite abspielt, wird erkennen, dass man die Trägerschicht durchaus durch das Band hindurch hören kann, wenn auch 'muffiger'. Das bedeutet aber, daß die Schicht, also die aufgespielte Musik auf die nächste Lage des Wickels durchgedrungen ist, und wenn man dieses Band jetzt abspielt, kann man die Musik der bislang drüber- und drunterliegenden Lage mithören. Ganz clevere könnten meinen, man könne die Platte abspielen und davon eine überspielung machen. Also sollte man die Platte mal mit dem Kopfhörer abhören. Dann hört man also Knacker, man hört rumpeln, man hört das schabende Geräusch des Saphirs usw. Das alles aber würde mit überspielt. Ganz technisch Uneingeweihte könnten sogar meinen, man könne eine Singleplatte wie eine CD kopieren.
Man benötigt für die Herstellung der Preßwerkzeuge das Originalband. Und das muß irgendwann im Laufe der Zeit immer wieder umgespult worden sein, um die Magnetisierung der Wickel zu entfernen. Und dafür hat es keinen Grund gegeben, denn die Zeit von damals hat ein paar Jahre später niemanden mehr interessiert. Die meisten Bänder wurden sogar geläscht und wiederverwendet.
Die Etiketten
Aber es wären noch mehr Probleme zu bewältigen gewesen. Die Etiketten nämlich. Die Vordrucke waren häufig im Offsetdruck hergestellt, die Schrift war also nicht gequetscht, weil sie vom Film übertragen war. Der Eindruck von Titel, Interpret, Katalognummer usw. hingegen wurde zumeist im Buchdruck gemacht, weil die Auflagen gering waren, die Vordrucke aber auf größeren Druckformen lagen. Schrift im Buchdruck war manchmal gequetscht, aber eben auch wieder nicht immer. Das erkennt eigentlich nur der Schriftsetzer. Aber man muß auch die Vorgänge um diese Platte wissen, und auch die Vorgänge während der Drucktage bei der Etikettendruckerei. Etiketten also lassen sich nur schwer beurteilen, schon gar nicht von Laien. Denn das hat nichts zu tun mit der heutigen Zeit und der Kopiererei. Drucken war mechanisch und hatte was mit Druck, mit Anpreßdruck, zu tun. Man sollte aber auch wissen, daß Single-Etiketten nur von Fachdruckereien gedruckt werden können, die etwas von Laufrichtung des Papiers und seine Auswirkung auf die Platte verstehen. Sonst werden die Platten nämlich in kürzester Zeit krumm.
Die Reste
Es war zu allen Zeiten so. Die Nachfrage nach Tonträgern war viel geringer als das Angebot, und so blieben damals wie heute viele Platten auf der Strecke. Die wir nicht verkaufen konnten, wanderten nach wenigen Jahren auf den Hausboden. Und die Vorlagen für die Hüllen, also die Fotos, Filme, Decker? Das alles wanderte unsortiert in Kartons, es wurde ja nicht mehr gebraucht. Aus reiner Sentimentalität habe ich manches wohl aufbewahrt. Eigentlich nahm es nur Platz weg. Wir hatten schon reichlich Probleme, den Buchautoren bei der Suche zu helfen. Die Taschen also lassen sich nicht mehr nachdrucken, weil die Vorlagen nicht aufzufinden sind. Und Kopien von Original-Hüllen? Kopierer der heutigen Generation sind völlig unbrauchbar und erkennen das Raster überhaupt nicht, erzeugen also Moarße. Und das trifft ebenso auf Scanner zu, egal welcher Qualität die auch sind. Der Drucker jedenfalls erkennt den Unterschied unterm Fadenzähler.
Die Preßwerkzeuge
Die Originalwerkzeuge sind durch Witterungseinflüsse ja schon nach kurzer Zeit oxydiert und unbrauchbar. Man müßte also neue herstellen mittels der einwandfreien Originalbänder. Ob die Überspielfirma in der Lage wäre, originalgetreu zu überspielen, ist sehr fraglich, denn dazu wäre eine aufwendige Analyse der Frequenzspektrums nötig und müßte auch anzuwenden sein. Ein ganzes Team von Forschern müßte daran mitarbeiten, Die Kosten wären so extrem hoch und eine Garantie unmöglich, so daß die überspielfirma die Hände davon ließe. Somit wird es nie eine 1:1-Überspielung des Originales geben. Die Preßwerkzeuge selbst haben die Pressereien nach einiger Zeit wieder eingeschmolzen oder aus anderen Gründen entsorgt. Aber auch die Stanzwerkzeuge für die Daten auf der Platte hat niemand aufgehoben, weil später sowas auf anderem Wege eingetragen wurde. Manche ritzten ein, andere verwendeten dazu den computergesteuerten Stichel. Auch in der Hinsicht kann eine Nachpressung nicht möglich gewesen sein.
Die Preßmaschinen
Und dann kam auch noch das Problem mit den Preßmaschinen. Die nämlich wurden schon in den 80er/90er Jahren 'entsorgt'. Es gibt sie nicht mehr. Die heutigen Pressen sind anders aufgebaut, denn es gibt keine Notwendigkeit mehr, Singles für Musikboxen und Zehner-Wechsler herzustellen, die ja eine Wulst benötigten, um sich nicht zu berühren, und die für damals verwendete Sterne geeignet waren. Singles heutiger Zeit sind also dünner und haben keine Wulst. Aber: Platten, die nur über den Handel gingen, also nicht für Boxen gedacht waren, konnten auch damals schon ohne Wulst gepreßt werden, es gab also durchaus Maschinen dieser Art und ebensolche Singles.
Das Wissen über die 60er Jahre verschwindet immer mehr, denn die Zeitzeugen von einst gibt es bald nicht mehr. Es hat wohl immer Ansätze von Autoren gegeben, die Bücher darüber schreiben wollten, aber wenn es denn mal soetwas gegeben hat, dann wurde nicht die Zeitgeschichte beschrieben, sondern die Künstler und deren Wirken.
Das Image, das CCA in der Branche zu genießen scheint, läßt Neueinsteiger in Musikerkreisen immer wieder auf den Gedanken kommen unter unserem Label zu beginnen. Immerhin starteten auch die Scorpions einst bei uns. Man meint, dass der Hinweis darauf unter Umständen auch Türen öffnen könnte zu Gesprächspartnern, die fürs Weiterkommen wichtig sind. Inzwischen haben wir wieder begonnen, auf CCA zu veröffentlichen. 

Richtigstellung auf Ebay
CCA 5014 . The Sovereigns . Hm Baby / You'll understand
10. August 2007
Unsere CCA 5014 wird bei Ebay für 100,- Euro angeboten. Der tatsächliche Wert dieser letzten ungespielten Platten liegt aber bereits bei über 500,- Euro. Von dieser Platte hat es nur die erste Start-Auflage gegeben!
Die dort erwähnte mögliche Nachpressung ist eine Falschmeldung, offenbar von Anbieter <Deutschbeat> ganz bewußt ausgestreut. Die Platte hat eine Sondertasche bekommen. Es handelt sich um ein Faltblatt 18x36 cm in einer Polyhülle. Die gepreßte Single-Auflage war höher als die Anzahl der gedruckten Taschen. Deswegen befinden sich in unserem Archiv noch einige ungespielte Singles, die in unserer CCA-Standardtasche mit Mittelloch eingetascht sind.



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